Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang erster Band drittes Heft
- Article
- Literatur [Nachricht]
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 148 nicht sehen k a n n, so muß es ein anderes Leben geben, wo er das Leiden unserer, um seines Namens willen, da- Hingeschiedenen Vorfahren ausgleicht und uns selbst ein besseres Loos aufbewahrt! — Es ist wahr, wir haben unsere Fehler und Mängel, und verdienen Zucht und bessernde Strafe; aber haben die glücklichen Völker, die nicht wie wir geduldet und gedrückt sind, nicht auch alle ihre eigenthümlichen Unlauterkeiten? und — sind die unserigen nicht größtentheils eben die Frucht׳ des langen unseligen Druckes? Es ist wahr, unser Joch ist gemildert, bedentend gemildert gegen frühere Zeiten; sind wir aber vollkommen erlöst, überall erlöst, überall gleichgestellt jedem andern Volke? hat die Schmach, die man unserm Namen, unfern Anstalten, unfern Rechten, unserer Ehre angethan, hat sie Ersatz gefunden in unserer Zeit, hat sie aufgehört in That und Behandlung, in Schmähworten und Derdammungsschristen? Es ist wahr, es giebt viele Ausnahmen, viele edle Gemüther und erleuchtete Geister, die sich des verkannten und zurückgesetzten Israeliten Menschenfreundlich annehmen; aber wehe, daß es Ausnahmen sind! auch in Egypten machte die Königstochter eine Ausnahme und rettete erbarmungsvoll einen Israeliten; darum aber war das Elend dort nicht weniger Elend. — Nein, so lange der Israelit des Nicht-Israeliten un stolzes, aufrichtiges Benehmen und Reden gegen ihn im Stillen und Öffentlichen als eine edle Seltenheit rühmen muß; so lange es noch auf dieser Erde Tausende giebt, die zu den Israeliten noch Lausende von Jahren sagen möchten: ״Fremde und Geduldete seid ihr aus unserm Boden" (3. B. Mos. 25.); so lange der Israelit sich freuen muß, wenn ihm und seinen Glaubensgenossen Gerechtigkeit widerfährt: so lange, Geliebte! leben wir noch in Mizraim! — Und dieses trübselige Verhältniß, fürchte ich, wird noch lange, lange nicht aushören׳! Wie Hebel von seinem