Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang erster Band zweites Heft
- Article
- Literatur [Nachricht]
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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88 neu ist, so lange sie demnach noch für ihre Liebe und für die Anerkennung ihrer Leistungen zu kämpfen hat; sie wird dagegen schon mehr den belehrenden Charakter annehmen dürfen, wenn sie ihre Existenz schon mehr gesichert hat. Doch wird der Prediger bei belehrenden Vorträgen so vorsichtig als möglich fein müssen,׳ und, nach meiner Ansicht, viel ersprießlicher wirken, wenn er hier indirect statt direct zu Werke geht; denn es ist, leider.! eine psychologische Wahrheit, daß eine jede Vernunft sich mündig glaubt, um über religiöse Gegenstände urtheilen und demnach der Belehrung entbehren zu können, und dennoch muß die Jsraelitische Predigt der Gegenwart die Belehrung als eine ihrer ersten Aufgabe betrachten. Object der Belehrung ist die ganze dogmatische Religion. Tendenz derselben ist Entfernung des Separatismus, der Werkheiligkeit, und Aufhellung und Begeistigung der Ceremonien, vorzüglich sie als bedeutungsvolle Symbole, zu würdigen. Einen ganz vorzüglichen Stoff, den die Israelitische Predigt, aber auch mehr indirect als direct, zu bearbeiten hat, bietet besonders die gegenwärtige Crisi's dar, welche unverkennbar das Judenthum in seinem Verhältnisse zum Staate verlebt. Es ist Vieles über Emancipation des Juden und über die Anerkennung feiner Menschenrechte am Staate geschrieben, und mitunter deren Nothwendigkeit recht evident dargestellt, allein es scheint, daß entweder das gefaßte Princip so mancher deutschen Staaten zu fest stehe, als daß es von Flugschriften der Art sollte erschüttert werden können, oder daß das Judenthum die Reife für seine Emancipation sich noch nicht erstrebte. Diese Alternative zu beleuchten, ist hier der Ort nicht , ich mußte ihrer nur deßhalb erwähnen, weil sie die Israelitische Predigt nicht unbeachtet lassen darf. Sie muß und kann auch, nach dem innern Principe des weiterschreitenden Judenthums, zeigen : daß das Judenthum nie erziele, einen Staat im Staate zu bilden, daß es sich vielmehr nur als Rcligionsgesellschast behaupten will- Und