Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 7 (1825-1833)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Baruch Spinoza
- Date
- 1825-01-01
- Page
- Seite 330 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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330 aber beseligt von dem Glauben an eine Gottheit, deren ״Erkenntniß die höchste Glückseligkeit des menschlichen Lebens ausmache," verbrachte ein sehr einfaches, eingezogenes Leben, nicht von Ehrgeiz, nicht von Habs sucht und ^anderen Leidenschaften verdüstert , nur von einem unauslöschlichen Eifer nach Wahrheit bekräftigte Dis zu seinem 28sten Lebensjahre verweilte er in seiner Vaterstadt , betrieb in seinen ersten zwei Decennien talmudische Studien unter Mo ses Morteira, erlernte alsdann die lateinische Sprache von dem Arzte v a n d e m E n d e, erwarb sich außerdem die Kenntniß der italienischen , spanischen, portugiefischen und deutschen Sprache, und lag, um seine Existenz zu sichern, dev Kunst, Gläser zu schleifen, und, seines Vergnügens halber, dem Zeichnen mit ausgezeichnetem Erfolge ob. Jetzt gelangte er zur Kenntniß dev Cartesischen Philosophie, und Vers tiefte sich zugleich in das Studium der realen Physik. Durch so ungewöhnliche Bestrebungen und durch seinen inner« Genius weit gestellt Aber den meist dunkeln Geist seiner Zeitgenossen, befreit von den Vorurtheilen, welche damals die jüdische und christliche Welt beherrschten — da nun auch sein aufrichtiges Bewußtsein verlangte, seine Gesinnung durch sein Sußerliches Leben zu manifestiren — wie anders konnte es geschehen, als daß er sich Verfolgungen von allen Seiten zuzog? Da ihn keine Versprechen — man bot ihm ein Jahrgehalt von 1000 Fl. — zurückhielten, warb man Mörder gegen ihn, so daß er sich seiner Sicherheit wegen aus Amsterdam entfernen mußte.