Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 7 (1825-1833)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Merkwürdige Schicksale des berühmten Rabbinen R. Lippmann Heller, in den Jahren 1629-1644 von ihm selbst beschrieben
- Date
- 1825-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 8)
- Language
- German
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148 Am Donnerstage ward er vor die Kommission geladen, und ihre erste Frage war: Warum er in der Vorrede den Talmud gelobt habe, der doch auf Befehl des Pabstes verbrannt worden sei? Er m wiederte: er habe den Talmud den Juden cmpfohs len, da er ihr Gesetz enthalte. Hierauf wiederholten sie die Frage des Kanzlers, erhielten dieselbe Antwort, und die׳ Sitzung ward geschlossen. Am Donnerstage darauf empfing er das Urtheil: ״In Folge des Kommissions-Berichtes habe er von Rechtswegen das Leben verwirkt. Weil jedoch Se. Majestät den Weg der Gnade verzöge, so solle er ein Lösegeld von 12000 Neichsthalern sogleich baar auszahlcn. Die Bücher sollten confiszirt werden. Im Falle einer Weigerung bleibe die Todesstrafe, ohne Gnade, über ihn verhängt." Rabbi Lipmaun war höchst betroffen über dies Urtheil. Er gab eine Duplicirung ein , worin er Se. Kaiserl, Majestät für die ihm erwiesene Gnade demüs thigst dankte, die Bedingung aber als völlig unausr führbar darstellte. Allein Se. Majestät ließ sich, das durch nicht bewegen, und am Sabbath darauf eröffnete ihm der Kanzler, daß, wenn er sich nicht zur Eins zahlung der bestimmten Summe verstehe, er wieder ins Gefängniß müsse. Sein Schicksal sei entschieden: er solle auf drei großen Plätzen Wiens auf nacktem Leibe gegeißelt, und dasselbe in Prag eben so. oft wiederholt werden. Nochmals fanden sich Fürsprecher beim Kanzler ein. Aber dieser, erwiederte, es hätten Juden selbst ausgesagt, daß Rabbi Lipmann fünf