Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 7 (1825-1833)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Öffentliche Konfirmation an der Lehr- und Erziehungs-Anstalt des Dr. Weil in Frankfurt am Main
- Date
- 1825-01-01
- Page
- Seite 325 (sequence 10)
- Language
- German
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325׳ Gemüth, und. den geeigneten Widerhall finden in den Herzen aller Unserer hier versammelten geliebten Zöglinge, daß Ihr Alle mit Gottes Hülfe ein Leben führet voll Unschuld und Reinheit, und Euer Glaube zugleich ein vernünftiger und ein lebendiger sei, der nicht bloß müßig im Verstände wohne, sondern beseligend Euer Herz durchdringe, es stärke in-bcn schweren Kämpfen des. Lebens, und Euch vorschwebe am Scheidewege zwischen Lugend und Laster, d. i. zwischen Leben und Tod. Ihr insbesondere, liebe Kinder, für welche jetzt der wichtige Zeitraum beginnt, der mehr oder minder entscheidend wirkt auf das ganze Leben, der wichtige Zeitraum, von welchem an Tugend nicht als eine Gewohnheit nur, sondern immer mehr als ein freies Ergebniß innerer Wahl; Religion nicht bloß in Worten oder der äußern That, sondern in der innersten tiefsten Überzeugung der Seele; Fleiß und Wissenschaft endlich nicht bloß durch äußern, sondern auch durch innern Antrieb genährt wer, den soll: bedenkt es wohl, daß jetzt der Augenblick gekommen ist, wo Ihr selbst Euch sittlichen Werth geben oder nehmen, Cuern Eltern, Euern Lehrern und Euch selbst, je nach Euerer Lebens - und Handlungsweise, die reinste Freude oder den herbsten Kummer bereiten werdet. Die Zeit ist da, welche entscheidet über das Glück-oder das Unglück Eueres ganzen Lebens, je nachdem Ihr sie weise benutzt oder leichtsinnig verscherzt, und schon seid Ihr mit uns der Zurechnung fähig vor dem höchsten Richter, wenn Ihr das Böse in Euch auskommen lasset, wenn Ihr das Gute in Euch nicht pflegt. Vernunft und Einsicht mögen Euch leiten, Tugend und Religion