Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 7 (1825-1833)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Einige Worte an das Publikum
- Date
- 1825-01-01
- Page
- Seite 310 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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310 Mendelssohn׳ scheint sonach bloß sagen zu wollen/ wir hätten keine zur Seligkeit nothwendigen Glaubenslehren, an die jene gebunden seien- oder durch welche man selig werden könne, ohne zu handeln: Jene Glaubenslehren seien Wahrheiten, die jeder annehmen könne, ohne sich zu irgend einer Religion zu bekennen, und dem Israeliten, wenn sie seinem Verstände widersprächen, seien sie nicht aufzudringen, da keine Seligkeit daran geknüpft ist, aber alles, was der Vernunft ideal, als absolutes, einleuchte, könne er annehmcu. Mendelssohn wollte keineswegs den Glauben von der Religion trennen; er sagte bloß: das Judenthum hätte keine positiven Glauberwwahrheiten (die ihm, als Judenthum, eigen wären), in dem Sinne, wie man diese gewöhnlich nimmt, daß aber diese Wahrheiten in jeder Religion angenommen werden müssen, liegt in dem Begriffe von Offenbarung. — Mendelssohn giebt dies deutlich zu erkennen, wenn er (a. a. O. S. 52.) sagt: daß das Israelitische Gesetzbuch, ob es gleich eigentlich nur Verordnungen enthalten solle, dennoch einen unergründlichen Schatz von Vernunft- Wahrheiten und Religionslehren mit einschließe. Man sieht hieraus, wie das Ganze beruht auf dem Begriffe den man sich von Glaubenswahrheiten macht.* *) ׳ Die *) Was den Gesetzen der Vernunft und der Erfahrung nicht zuwider ist, kann, wenn es auch nicht streng zu erweisen ist, g e g l a u b t w e r d e n, und heißt v e r n ü n f- * tiger Glaube. Vergl. Döderlein's Religionsunterricht,- Nh. 1. S. 443. G r i e s b a ch populäre Dogmatik S. 3b. Bretschneider's Lehrbuch der Dogmatik, S> 934ff.