Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 7 (1825-1833)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über den Einfluß der Sprache auf's Denken und die Methode des Unterrichts in der Muttersprache
- Date
- 1825-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2304627-2304631-2304632-2310601--07403-2310991- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
die schönste Gabe,- welche die Gottheit dem Menschen verliehen, nicht nur weil es das Mittel ist, die Ideen zu combiniren und zu erweircrn, sondern weil es sie schafft und dadurch den unterscheibendsien Charakter der menschlichen Organisation ausmacht. Ob übrigens der Mensch, in Ermangelung, der artikulicten Sprache, eine deren Stelle vertretende Gcberden - oder Figurenspräche erfunden, und bis zu welcher Stufe er dieselbe ausgebildet haben würde, ist eine eben so nutzlose als vergebliche Untersuchung. Es ,ist demnach eine Täuschung, wenn wir glauben, daß die Zdeenbildung bci'm Menschen der Sprache vorangehe. Die Begriffe befestigen sich im Geiste unmerklich in einer ununterbrochenen, mit den ersten Le- Lensjahren sich anknüpfenden Kette, deren Entstehung wir uns eben so wenig, als den Anfang der Sprache zurückrufen können. Wenn der Geist, ohne alle Mit- Wirkung der äußern Organe, schweigend Ideen combinirt, so wahnen wir, diese seien etwas von der Sprache Unabhängiges und von derselben ganz Verschiedenes; Lei größerer Aufmerksamkeit auf unser Verfahren werden wir jedoch wahrnehmcn, daß wir niemals ohne Worte denken, und daß sich die Ideen,nicht von denselben trennen lassen. Aus diesen allgemeinen Betrachtungen geht hervor, von welchem Einflüsse die Sprache auf den menschlichen Geist ist; wie er durch die in Worte gekleideten Ideen ausgebreitete Kenntnisse erlangt, von diesen Ideen aber eben sowohl einen, der Vernunft schädlichen, als Nützlichen Gebrauch machen kann. Innerhalb des engen