Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 7 (1825-1833)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über die Bestimmung der öffentlichen Schule
- Date
- 1825-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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161 welcher der K r a ft ig e nicht zum Bewußtsein seiner Kraft gelangt und der Schwache vollends erschlafft; sie wird vielmehr manches Erleichterungsmittel verschmahen, dem Lehrling etwas zumuthen, und mehr anleitend und nachhelfend, als gängelnd und eintrichternd zu Werke gehen; es wird ihr überhaupt, bei den zum Beruft des Schülers minder nothwendigey Kenntnissen, weniger daran gelegen sein, daß der Schüler eine große Masse von Wissen in sein Gedachtniß aufnehme, als daß er das Gelernte mit dem Geiste auffasse und zum Stoff des Denkens verarbeite, daß er Liebe zur Wissenschaft gewinne und sich zum weitern Fortschreiten angespornt fühle. Aber nicht bloß lehren und unterrichten soll dis Schule, sie soll auch erziehen im hohem Sinne des' Wortes; der Schüler soll in derselben Grundsätze und Regeln zur Richtschnur seines Lebens erhalten und an das Sittlichgute und Anständige gewöhnt werden. Und hier stellt sich uns wieder der Unterricht, in dem.so eben beschriebenen Geiste ertheilt, als eines der tiefeingreifend-- sten Erziehungsmittel dar. Wenn der Zögling seinen Sinn auf einen Gegenstand mit anhaltender Aufmerksamfeit richten und genau beobachten gelernt hat; wenn er seine Wahrnehmungen zu deutlichen Begriffen, zu vcrarbeiten, mit den Wörtern den rechten Sinn zu verbinden, Urtheile und Schlüffe zu prüfen; wenn er überhaupt richtig zu denken und Klarheit über alle seine Vorstellungen zu verbreiten angeleitet, zugleich das Gefühl für's Schöne geschärft und geläutert, und auf richtige Grundsatze zurückgeführt worden iss: wäre das nicht von der höchsten Wichtigkeit für hie Erziehung? Wird er dadurch VII. Zahrg. 1. Band, 12