Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 7 (1825-1833)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Bemerkungen über Sprache und Sprachunterricht, als Beförderungsmittel der allgemeinen Bildung
- Date
- 1825-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 11)
- Language
- German
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89 ״־•׳״ ten, nach einer gewissen Analogie, und in einem ewigen künstlichen Lösen von Schwierigkeiten, die auf eine noch künstlichere Weise zusammengetragen sind. Lesen nun solche Leute Deutsche Bücher, oder genießen sie einen Unterricht in Deutscher Sprache, die sie nicht vollständig verstehen, so verfahren sie ziemlich auf dieselbe Weise, wie jener Harthörige. Sie greifen jede ihnen dargebotene Lehre mit großer Lebendigkeit, ganz nach ihrer bisherigen Denkweise, auf und assimiliren Alles, gleichviel, ob ganz oder halb verstanden, dem altern Vorrath ihrer Kenntnisse und Begriffe, unter denen sie auch fast für jedes Objekt schon Anklänge und Aehnlichkeiten vorfinden. Der Lehrer hat nun solche Schüler zunächst darauf hinzuführen, daß dasjenige, was er ihnen vorträgt, ein neuer, von ihnen noch gar nicht, oder doch nicht vollständig erkannter Gegenstand sei, — wenn er anders ihre Aufmerksamkeit genügend beschästigen und fesseln will. Und dabei ist man dennoch, trotz der größten Genauigkeit und Sorgfalt׳ im Ausdruck, nicht immer vor den sonderbarsten Mißverständnissen bei ihnen sicher. Die Schwierigkeit, bei einer solchen Lebendigkeit und eigenthümlichen Richtung des Geistes völlig zu einer fremden Sprach - und Denkweise überzugehsn, mag wohl größtentheils Schuld sein, daß sich so wenige dieser fähigen Köpfe zum eigentlich wissenschaftlichen Standpunkt, wie Salom. Maimon, durcharbeiten und emporschwingen. Auf alle Fälle ist von solchen psychologischen Anomalien für dis Seelenlehre eine nicht' unbedeutende Ausbeute zu gewinnen, wie sich durch viele, gewiß nicht ganz uninteressante Einzelheiten bestätigen ließe, wenn es der Raum gestattete. VII. Jahrg. I. Band. 7