Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 7 (1825-1833)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Bemerkungen über Sprache und Sprachunterricht, als Beförderungsmittel der allgemeinen Bildung
- Date
- 1825-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 6)
- Language
- German
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84 —~~ Ausbildung der Denkkraft und des Sprachvermögens der Gedanke seinen Ausdruck, während es ein Zeichen der Oberflächlichkeit ist, wenn der Ausdruck des Gedankens abhängig bleibt von den gegebenen Redensarten und Redeformen. Hierin scheint das charakteristische Merkmal der vollendeten Sprachbildung zu liegen. Daher ist es auch zu erklären, daß in einer so fügsamen Sprache, wie die Deutsche ist, jedes selbständige philosophische System *) sich eine eigene Eerminologie bilden muß. Ein willkührliches Umschaffen und Verrenken des Sprachgebrauches und ein unstatthaftes Sündigen gegen den Geist der Sprache ist freilich dadurch nicht bedingt, zumal bei einer an sich so reichhaltigen und bildsamen Sprache, als unsre Muttersprache ist. Die Empfindung läßt sich, wie schon bemerkt, nicht so vollständig durch die Sprache erschöpfen und ausprägen, als der Gedanke. Das menschliche Gefühl will mehr durch eine gleichgestimmte Seele errathen, als ausgesprochen sein. Der Ausdruck desselben kommt mehr dem Dichter und Künstler überhaupt zu. Aber wer wollte darum die hohe Macht der Sprache, welche sie auch auf die Welt der Gefühle ausübt, einen Augenblick in Zweifel ziehen? *) Das Wölfische System konnte noch recht gut mit dem vorhandenen Sprachgebrauch ausreichen und mußte sich an denselben halten, weil das Wesen desselben in der Anordnung und Definirung der vorhandenen philosophischen Begriffe lag. Dagegen mußte bei Kant und seinen Nachfolgern, gleichzeitig mit der fortschreitenden freiern Ausbildung der Sprache, bei der Entwickelung neuer Ideen und eines sclbständigcn Gcdankenganges das Bedürfniß neuer Rede» formen entstehen.