Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 7 (1825-1833)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Bemerkungen über Sprache und Sprachunterricht, als Beförderungsmittel der allgemeinen Bildung
- Date
- 1825-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 9)
- Language
- German
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33 deshalb vielleicht eben so häufig von den zahllosen Phantasicgebilden der Kindheit, als des Kraumes her. — Erst wenn das Kind sprechen kann und zugleich mit der Ent- Wickelung der Sprache bilden und ordnen sich auch seine Vorstellungen, obgleich die Phantasie und das rege Ge-- fühl des Kindes, die beide jedem neuen Eindruck offen stehen, noch lange einen viel zu hohen Grad von Lebendigkeit behalten, als daß die Sprache mit dieser inner» Fülle gleichen Schritt halten könnte. Das sieht man an dem Stottern und plötzlichen Znnehalten mitten׳ in der lebhaften Rede solcher Kinder, die sonst ganz fertig sprechen. Ueberhaupt kann man wohl annehmen, daß Schüler bis in das zwölfte Zahr und darüber, dreimal so viel wissen, fühlen und denken, als sie vermöge der eigenthümlichen Wallung ihres innern Lebens durch Worte auszudrücken im Stande sind. Erst im spätem Alter kehrt sich das Verhältniß oft um. Dieselbe Leb- Hastigkeit läßt die Kleinen nicht selten für das, was sie sagen wollen, den glücklichsten, oft einen ganz neuen Ausdruck und die überraschendste Wendung finden. Aufmerksame Eltern und Erzieher, die auf Alles, was die Kindheit in ihrem innern Fürsichsein hervorbringt, mit liebender Sorgfalt achten, können diese Erfahrung gewiß oft machen. Daraus geht hervor, daß man auch bei Entwickelung der Sprache, wie überall, vieles der Natur׳ überlassen, nichts treiben und zwingen müsse. Aiif die Sprache des Kindes kann und braucht überall nicht besser gewirkt zu werden, als durch Beispiel. Kinder;werden sich gewiß bald bestimmt und selbst richtig aus-; drücken, wenn sie nicht anders sprechen hören, wenn man VH. Jahrg. I. Band. o