Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 7 (1825-1833)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der letzte Wunsch
- Date
- 1825-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Wohlthaterin, unfern letzten Wunsch gewahren! Nur seine Erfüllung fehlt noch unserm Glück." — ״Siehe, da erhellte derselbe himmlische Glanz wiederum die Gebüsche und die gütige Wohlthaterin trat vor den jetzt schon Seeligen und sprach: ״Es sei! Euer Wunsch soll binnen Kurzem in die schönste Erfüllung gehen." — Als nun der Winter die welken Blatter von den Baumwipfeln streifte, da schloß Selmar wonnetrunken die junge Mutter in die Arme und rief: ״Jetzt — ja, nun bin ich ganz glücklich!" und Selma rief mit Freudenthxänen im Auge, das freundliche Engelskind am Busen , dem Gatten die Worte nach. Bald schaukelte Selmar drei ähnliche Engel auf seinem Schooße; zwei Söhne von der versprechenden Heldenform ihres Vaters, und zwei Töchter mit den sanften Reizen ihrer Mutter begabt. . Aber trotz dieser so seltenen Huld der freundlichen Beschützerin, traten sie doch gar oft noch vor ihren geweihten Altar, ihr zu entdecken ihren letzten Wunsch, der doch nimmer der letzte blieb, sondern immerdar seinen Nachfolger fand. Erzeugte doch oft gerade die Gewahrung des einen erst wieder den folgenden und dieser wieder einen neuen, so daß die Begehrenden bisweilen selber errötheten ob des Wahnes, am Ziele ihrer Wünsche zu stehen. Freilich mußten sie oft. auch umsonst zur Gottheit flehen, wie so viele unter uns; mancher Schmerz durchzog ihr Leben, wenn sie unbefriedigt zurückkehren mußten; denn Tyche, die finstere Gebieterin des Schicksals, hält öfters die sanfte Wohlthäterin zurück und