Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 7 (1825-1833)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der letzte Wunsch
- Date
- 1825-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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10 scheinung. Aber diese ließ ihren Blick voll Himmelshuld und Gewährung auf dem vor ihr Knieenden ruhen, um den Mund schwebte das Lächeln der Güte und indem sie die zarte Hand wie zum Secgnen über des Junglings Haupt erhob, erklangen Köne, wie wenn die Luft in leisem Sprunge über die Saiten einer Aeolsharfe streicht, daß sie in sanften Accorden erbeben, und der 'Jüngling vernahm die Worte: , . ״Selmar, erhebe dich getrost! Ich habe deinen ״letzten Wunsch vernommen und deine Sehnsucht er- ״kannt. Ich bin die Göttin der Gewährung; ״wem ich nahe, hat nie umsonst gewünscht. Geh heim;,in Frieden und freue dich deines Glückes.",— Als Selmar aus seiner Betäubung erwachte, war tiefe Stille um ihn und der Abend begann seine braunen Schleier immer weiter und dunkler auszuspannen über Gebüsch und Flur. Aber indem er nun mit ruhigerm Herzen und frischer Hoffnung seiner Wohnung zueilte, trat ihm Selma entgegen mit dem Erröthen der gewahrenden Liebe auf den Wangen und das Geständniß der gegenseitigen Neigung entfloh den freudetrunkenen Lippen. ״Ich habe dich ja lange schon geliebt," flüsterte Selma: ״nur widerstand des Vaters Eigensinn meine« Neigung, der, ich weiß nicht wodurch? heute auf einmal verschwunden ist." — Selmar schwelgte׳ in einem Himmel voll Seeligkeit. ״Ja, nun bin ich vollkommen glücklich!" ries er aus: ״Kein Wunsch mehr beunruhigt meine Brust." Er erzählte der Geliebten, was ihm so eben begegnet; sie kehrten zu seinem vorigen