Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 7 (1825-1833)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der letzte Wunsch
- Date
- 1825-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 2)
- Language
- German
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km Füßen für mW als ein wohlgelungenes Marmorbild halten oder leicht auch wähnen können, aus ihr sei längst das blühende Leben ,entflohen. Aber sieh! plötzlich erhebt sich der Leblose, sein grostes, von heißer Sehnsucht umwölktes Auge schweift aufwärts und bleibt an der sinkenden Sonnenscheibe Han, gen, die ihres blendenden Glanzes fast gänzlich beraubt, in dem von ihr vergoldeten Wolkendamme versinkt. — ״O Selma!" so seufzte der Jüngling aus innerster Brust: ״Soll ich denn nimmermehr erfüllt sehen meinen liebsten, meinen letzten Wunsch? Soll ich untergehen gleichwie der scheidende Lichtball dort, einsam und unbefriedigt, in die Neb elnacht verzehrender Sehnsucht und heimlichen Grams? Weh' mir Unglücklichen!" — Und ungehindert flössen nun die Thränen und langsam wollte er gesenkten Hauptes durch die hereinbrechende Dämmerung hem stärkern Dickicht des Gebüsches zuschreiten. Da,sah er auf einmal, wie von einem überirdischen Lichte, seine Umgebungen erhellt, durch die׳ Blätter rauschte ein wunderbares Säuseln, daß sie stärker erzitterten , gleich seinem eigenen, wie von Freude bewegten Herzen, und die Kräuter und Blumen des Grases umher schienen mit höherm Schmucke zu prangen und ihm freundlich zuzunicken, als wollten sie sagen: ״Erwache doch, du Träumer! und öffne der Freude wieder dein Herz." Vor dem Jünglinge aber stand eine Frauenge« statt von wunderbarem Ansehen und von himmlischem Glanze umflossen, so daß er vom ungewohnten Änblich geblendet, überrascht auf die Knie sank und es nicht wagte, seine Augen zu erheben nach der himmlischen Er-