Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 6 (1820-1824)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Predigt
- Date
- 1820-01-01
- Page
- Seite 334 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2304627-2304634-2304636-2309923--06930-2310396- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
334 Sehet diese Mittel standen ihnen zu Gebote; sie wendeten sie an; sie gehen auch uns nicht ab, wir aber nützen sie mit nichten!— Von denen unserer Zeitgenossen rede ich-nicht einmal, die es meisterhaft verstehen, sich durch UePpigkeit und Ausschweifung, durch Wollust und Brunkenheit, das Alter vor der Zeit einzuimpsen und uns schon in den Jünglings- Jahren als Greise unter die Augen zu treten — ich rede nicht von diesen lebendigen Schnell- ,na sch in en, die da geschwind leben, darum sie auch geschwind sterben — von uns, von uns rede ich, die wir «nS nicht zu diesen Genußmenschen zahlen, die wir uns nüchtern und mäßig glauben, unS eine solide Lebensart zuschreiben — auch wir, auch wir haben viel zu viel Lebensfeinde in unserem Solde, die uns mit jedem Tage, ohne daß wir darauf achten, etwas von unserer Lebenskraft rauben. Schon bei dem Thiere hat man die Ent« deckung gemacht, daß seine Lebensdauer um so kürzer ist,,-jemehr Lebensbedürfnisse es hat. Nun bitte ich euch, m. F-, glaubt ihr wirklich, daß es Ein Thier auf Gottes Erde giebt, das an Bedürfnissen so reich wäre, als der Mensch, als der Mensch, selbst im Stande der Natur, um wie viel mehr in unserem unnatürlichen — künstlichen Zustande! Bei unseren verkünstelten Bedürf- Nissen, bei unseren zehnfach verfeinerten Verfeinerungen — wie muß da unser Leben erst verkürzt werden! Wahrlich auf die artigste Weise bringst du dich und deine Söhne Md deine Eöchter um die schöne Lebenszeit! — Und was haben jene Feinde wiederum für andere in ihrem Gefolge! Ist es möglich, sagt selbst, m.F., daß ein bcvürfnißreichcs Leben frei bleihen kann von Sorgen und Kummer —׳