Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 6 (1820-1824)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Etwas über den Gottesdienst in der Muttersprache
- Date
- 1820-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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daß man in allen Sprachen beten dürft und nur i« einer uns verständlichen Sprache beten müsse. Jeder Vernünftige wird wohl leicht eingestehen, daß es höchst widersinnig sei, wenn Jemand, gleichsam mechanisch, gewisse vorgeschriebenc Gebete hersagt, ohne daß er den Inhalt derselben selbst verstehet. Es wird demnach auch gewiß Niemand mit wahren Gründen in Abrede stellen können, daß es zweckmäßig und gottgefällig fei, wenn vorzüglich die der hebräischen Sprache unkundigen Israeliten überhaupt, und insbesondere ein großer Theil der Jugend und des weiblichen Geschlechts, es bereits angemessen finden, ihre Gefühle der höchsten Verehrung, des innigsten Dankes, sowie ihreWünsche und Bitten in der kräftigen deutschen Landessprache an geweihter, heiliger Stätte an den allgütigen Gott zu richten- So wahr indessen dieser Satz einerj seits ist: so darf er gleichwohl anderseits den Freund 1 des Bessern durch seinen Eifer für das Zeitgemäße, etwa keineswegs zu der Behauptung verleiten, daß hingegen alle andere Israeliten, wenn sie die hebräische Sprache verstehen' und den Inhalt der hebräischen Gebete kennen, solche nicht auch im Hebräischen mit frommer Andacht verrichten könnten. Schon die tägliche Erfahrung würde dieser Behauptung widersprechen. Cs ist gleichwohl für den Beobachter eine niederschlagende Bemerkung, welche Zugleich von dem frühern Übeln Zustande des Unterrichtswesens der Isracliten zeugt, daß viele Israeliten alter Art, welche die hebräische Sprache nicht verstehen, oft eben so wenig die Borträge in deutscher Sprache -erstehen, wenn diese nicht recht sehr populär sinh! —״ Wenn es nun aber sehr zu wünschen ist, daß endlich bald der Israelitische Kultus im Allgemeinen kräftigst verbessert werben möchte, wie es von einem sehr großen Theile der deutschen Israeliten immer