Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 6 (1820-1824)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Etwas über den Gottesdienst in der Muttersprache
- Date
- 1820-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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m Freundes, welcher meinte, Herder Heide einmal in seinen Schriften gesagt, Hebräisch sei die eigentliche Sprache des Gebets. Ich erinnere mich nicht je so etwas vonHerdern gelesen zu haben. Daß er es aber nicht gesagt haben konnte, daß nach feinen, vorstehenden Ansichten, es keine Sprache des Gebets überhaupt geben kann, ist wohl vnwiderleglich. Und sollte er es doch behauptet haben, so kann es doch nur in dem Sinne geschehen sein, daß in einem Lande, in welchem die hebräische Sprache die Herrschende, die Muttersprache wäre, sie sich vermöge ihrer besondern Eigenschaften, vermöge besonderer flehender Ausdrücke zum Gebete sehr eigne. Keinesweges ist dieß auf irgend ein Volk oder auf uns deutsche Israeliten zu beziehen, die wir im Ganzen der hebräischen Sprache gar nicht mächtig, denen sie jetzt, wie sich der Prophet ausdrückt, ein tnnn. ספר, ein versiegelter Brief, ein verschloffenes Buch ist. Wollen wir wissen, was im Buch des Lebens, in der heiligen Schrift enthalten ist , so haben wir durch Uebersetzungen in unserer deutschen Muttersprache den Schlüssel dazu, wollen wir vor Gott entfalten den Brief unseres Herzens, so müssen doch wir selbst zuerst wissen, was darin geschrieben; was eine fremde Hand mit fremden Zügen uns unverständlich außer uns hingemalt, das steht ja nicht in unserem Herzen, das können wir doch nur hinstammeln, das kann uns weder Trost bringen, noch kann es uns Gottes Gnade erwerben *). — ©. ׳ *) Auch die Talmudisten lehren, wie bekannt, daß ein Gebet ohne Andacht einem Körper ohne Seele gleiche, VI. Jahrg. 2. Band, g