Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 6 (1820-1824)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Etwas über den Gottesdienst in der Muttersprache
- Date
- 1820-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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104 gut werden, sagt es!denn nicht die Schrift: I h r sollt alle heilig sein, denn ich der Ewige bin heilig: Sobald aber, fahren wir mit Herder fort, das Heiligthum in einen Sarg eingeschlossen, wie -eine Mumie behandelt wird> ist es auch eine Mumie, ein todtes Heiligthum, das sich vor der׳ Verwesung kaum schützen mag/ und das man immer begraben möchte. Wer wollte sich mit der Kapsel, mit dem Sarge, worin die Mumie liegt, lebenslang und täglich umhertragen? Die eigentliche lehendige Kultur der Völker, sing immer mit der Erwekkung und Bildung der Sprache an und diese hing an der Religion. — ' — — Mögen auch immerhin blinde Fanatiker oder Heuchler, ein wildes Geschrei wider die Wahrheit erheben; umsonst, fahren wir mit Herder fort, umsonst ist alle Einsargung und Beschränkung. Vergraben läßt sich die Wahrheit auf eine Zeit lang, aber nicht begraben. DaS Herz des Menschen, will selbst gefühlte Religion, der Verstand des Menschen, will selbst gedachte Wahrheit. Gewiß hast Du es oft schmerzhaft empfunden, wenn man die Wahrheit unwahr, das lebendigste in tobten Formeln sagte. Mir wars,. als ob man eine blühende Jungfrau mit Tüchern aus Grüften bekleidete und mit alten Masken bedeckte. Wenn wir hier, mit einigen unwesentlichen Abände« rungen, Herders Meinung über diesen interessanten und höchst wichtigen Gegenstand mitgetheilt, so geschah es theilS um unfern Glaubensgenossen, die etwa jene Blatter nicht gelesen, kund zn thun, wie der große Mann darüber gedacht, theils auch zur Widerlegung der Behauptung eines