Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 6 (1820-1824)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Über die Wichtigkeit der Lehre von der Unsterblichkeit der Seele
- Date
- 1820-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 10)
- Language
- German
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93 seinen Anlagen und Kräften zu überschreiten hoffen dürste? — Nun handelt aber der Urheber aller Dinge nach den edelsten Absichten, nach der größten Weisheit., Cr kann dem Menschen diese Fähigkeiten nicht umsonst gegeben haben — die gegenwärtige Dauer ist zu kurz für sie. Cs muß also noch eine folgen, in welcher sie weiter entwickelt, ausgebildet und zur ihrer Bestimmung angewendet werde. Denn das wäre zu viel Vergebliches für eine unendliche Weisheit, und widerspräche allen Be» griffen, die wir uns von ihr machen müssen, wenn sie Fähigkeiten für die Ewigkeit nur für eine so kurze Zeit, einen bald verschwindenden Zeitpunkt, sollte bestimmt haben. Und nun im Gegentheil, wie so ganz angemessen ist eS dem Begriffe, den wir uns von einem unendlich mächtigen und höchst gütigen Wesen machen müssen, wenn wir den Vorstellungen folgen, die der göttliche Dichter in unserm Texte angiebt! wenn wir uns den Menschen als unsterblich denken! — Ja, Ja! Der Mensch ist zur Unsterblichkeit bestimmt! Er soll ewig fortdauern, ewig leben, ewig als ein vernünf-, tiges, freies, höchst thatiges, nach Vollkom» menheit strebendes Wesen leben! Unste r bl ich - keit! Ewiges beben! Welch ein Vorzug vor allen Geschöpfen, welch eineWürde ist das! Welch ein Gedanke kann so wie dieser die Schrecken des Todes besiegen?, Alle Schönheiten, deL,Natur können dahinsinken und ver» schwinden! Sonne und Sterne ihren. Schein verlieren, die, reichsten Lichtquellen versiegendie, ganze sichtbare Welt in Nacht versinken. — Der, Mensch überlebt siealle und findet in sich, findet in der Geisterwelt, findet.