Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 6 (1820-1824)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Über die Wichtigkeit der Lehre von der Unsterblichkeit der Seele
- Date
- 1820-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2304627-2304634-2304636-2309858--06589-2310159- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
9* sicherte. Jetzt aber noch einen auffallendern. — Der Mensch findet Kräfte und Anlagen bei sich, - die eines Wachsthums für die Ewigkeit, eines Zunehmens ins Unendliche fähig sind. — Schön ist die Sonne., schön -er Mond und die Sterne, schön sind die Gew ä ch fe und P fl a n z e n - die unfern Erdboden schmücken, jedes vollkommen und unverbesserlich in seiner Art — aber was sind sie gegen den Menschen? — Sie bleiben wie sie sind.; ihre Gestalt, ihre Schönheit, ihre Bewegung, ihre Wirksamkeit sind und bleiben immer dieselben. Sie sind ganz das, was sie sein sollen und können. Nicht so der Mensch. Nie ist er ganz das, was er sein kann. Ihn umschränkt kein Raum und keine Zeit schlechterdings auf immer. Eine Stufe der Vollkommenheit führt ihn zu der andern, und nie steht er so hoch, -aß er nicht noch höher steigen könnte. Seine Fähigkeiten entwickeln, feine Kräfte vermehren sich nach dem Maaße, nach welchem er sie anwendet und übet, und fein Gesichts - und Wirkungskreis erweitert sich nach dem Grade, nach welchem sich seine Fähigkeiten entwickeln und seine Kräfte vermehr ren. Wann hat er so viel gelernt, daß er nicht noch weit mehr lernen könnte? Wann erkennt und weiß er so diel, als er zu erlernen und zu wissen vermag? Wann hat er, es in der Weisheit und Tugend so weit gebracht, daß er es nicht noch weiter darin bringen könnte? Wann wirkt er so mächtig und so wohlthätig um sich her, daß er nicht noch mächtiger uns wohlthätiger zu wirken fähig wäre? Und wann hören Trieb und Bestreben darnach in ihm auf? Wer kann in allen diesen Absichten dem menschlichen Geiste Schranken fetzen, die er nicht nach