Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 6 (1820-1824)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Literatur [Rezension]
- Date
- 1820-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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33 Verbrechen, wenn auch nur der hundertste Lh'eil der Er- Mahnungen und Rührungen in Gotteshäusern und an andern Orten gewirkt hätten? — Der Versta n d muß ׳ das Gute einseyen, aber er allein wird es nicht verwirk- ״liehen; selbst der gute Wille ist nür ein brauchbares Werkzeug, das abet allein Mjt wirkt. Nur der'feste sittliche Charakter, der den ganzen Menschen erfaßt und thatkräftig durchtzringt, nur er kann wahrhaft Gutes und Jmmergültiges leisten. Aber dieser Charakter wird nicht durch bloßes Reden erzeugt: er muß aus dem Men- ׳ schen hrrausgebildet werden. Schön und wahr sagt Fichte (Reden S. g4): ES ist vergebens zUsagenslie g e —- dem, der keine Flügel hat, und er wird durch'alle deine Ermahnungen nie zwei Schritte über den Boden empör kommen; aber entwickle, wenn du kannst, seine Schwung- 'federn und lasse ihn dieselben üben und kräftig machen, und er wird ohne alle deine Ermahnungen gar nicht anders mehr wollen, oder können, denn.stiegen. Staatsbürgerliche Erhebung und Zugendbildung sind also die beiden Hauptmomente für die mosaischen Religionsbekenner. Sie' müssen p o l i'tisch und geistig frei werden, wie einst unter Moses — alles aüdre wird dann mit der Zeit von selbst folgen. Jenes hangt nicht von uns ab, dieses aber können wir, müssen wir. Unser Ringen nach dem Bessern wird von der Nachwelt geehrt und gesegnet werden, wenn es uns auch nicht lauter reife und süße Früchte bringt. Es ist ja schon so Manches unter uns durch Anstrengung der eigenen Kraft gediehen. Und so müssen wir, weil es an sich nothwendig ist, unsre gesammte Jugend für einen VI. Jahrg. 2, Band. q