Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 6 (1820-1824)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über den Religionsunterricht in den Schulen der Israelitischen Gemeinde
- Date
- 1820-01-01
- Page
- Seite 307 (sequence 9)
- Language
- German
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30f gehaltene Gebrauch wird jetzt in den Hausern selbst unserer Frommen nicht mehr beobachtet, und wie getheilt über viele derselben die Meinungen der Kalmudisch- Gelehrten sind, dgzu haben alle, und auch die neuesten Zeiten viele Belege geliefert. Wenn schon hierdurch der Unterricht erschwert wird, so wird er es noch weit mehr durch die große Verschiedenheit in der Gesinnung und Lebensweise der Eltern. Zn unserer, wie in jeder vsieNtliehen Schule, befinden sich, neben Kindern orthodoxer Eltern , wieder andere, in deren elterlichem Hause das Ceremonial-Gesetz, besonders das talmudische und rabbinische, gar ni'cht oder nur theilweise, nach einer kühnern oder zaghaftern Auswahl, beobachtet wird. Wie soll nun der Lehrer sich benehmen? Soll er, indem er alle jene Gebrauche als Gebote Gottes ausstellt, das Verhalten dieser Eltern ihren Kindern, gleichviel ob ausdrücklich, oder in künstlich gestellten Worten, als ketzerisch erklären? Soll er, gesetzt daß er durch seine Lehre die Gewalt des Beispiels zu besiegen vermag end wäre, die Kinder verleiten sich zu Richtern über die Lebensweise ihrer Eltern aufzuwerfen und Uneinigkeit in den Kreis der Familien bringen? Wird er die Eltern nicht in die traurige Nothwcndigkcit versetzen: ihren Kindern den Religionslehrer als Heuchler, oder seine Lehre als trügerisch und schwärmerisch darzustellcn? Wie will er zwischen diese Klippen sich durchwinden? Erwägt man alle diese Schwierigkeiten, und bedenket zugleich, wie zweifelhaft der Gewinn ist, der der Neligion — die ja nicht in der Lehre, sondern in der Aus- Übung besteht — aus einem v o llst and igen Unterrichte in dem Ceremonial - Gesetz erwächst: so wird man 22 *