Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 6 (1820-1824)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über den Begriff der sittlichen Freiheit
- Date
- 1820-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 8)
- Language
- German
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unverbrüchlicher Treue auch in ihrer Beschränktheit folgen soll und folgen kann. Jedes Böse, das sie thut, ist gleichsam eine Wunde, die sie sich, selbst beibringt, ein Attentat gegen ihr höheres geistiges Leben, daher denn die Borwürfe des inner» Richters, das Gefühl der Reue : und des Schmerzes,. der innern Qual, , welche sie aufzehrt. Aber eben dieser Schmerz, diese Qual ist das ' Mittel zur Heilung-der geschlagenen Wunde, so wie der s körperliche Schmerz nothwendig ist, wenn verletzte Theile! ihren Regenerationsprozeß beginnen sollen.' Glücklich der,; der noch fähig ist, diesen Schmerz zu fühlen; er ist ein Beweis , daß die höhere Natur seines Geistes noch nicht -ganz in der niedern Materie untergegangen ist, daß sein geistiges Ich noch Lebenskraft besitzt und noch strebt, sich aus dem Abgründe zu retten, worin es die Sinnlichkeit gestürzt hat. Aber wehe dem, wo die Stimme des Gewissens verstummt ist! er ist geistig tödt, seine höhern Kräfte sind untergegangen. Der Brand hat seine innern Lebenstheile ergriffen, er fühlt zwar keine Schmerzen mehr , aber der Lebensprozeß ist auch zu Ende. Es giebt leider solche Unglückliche unter den Menschen. Sollten sie auf ewig verloren sein? Das läßt uns die Weisheit und Güte ihres Urhebers nicht erwarten. Auch von ihnen wollen wir glauben, .daß ihre höhere Natur doch nur vom festen Schlafe überwältigt ist und daß sie, wenn auch erst auf einer andern Stufe ihres geistigen Daseins, doch wieder erwachen und endlich im Kampfe mit dem Irdischen den.Sieg davon tragen werden.: Aber noch eine Frage müssen wir beantworten. Wenn das Streben nach dem Wahren und Guten so innig mit