Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 6 (1820-1824)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über den Begriff der sittlichen Freiheit
- Date
- 1820-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 9)
- Language
- German
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der reingeistigen Natur verbunden ist , daß sie, wenn sie völlig von der Außenwelt unabhängig gedacht wird, diesem Zuge nothwendig folgen muß, daß das Böse für sie gar kein mögliches Objekt mehr sein kann, so ist ja eben dadurch alle Freiheit eines solchen Wesens aufgehoben. Allerdings, wenn man den Begriff Freiheit so mißversteht, wie es von vielen geschehen ist, wenn man sie für die indifferente Wahl des Guten oder Bösen nimmt. Alsdann ist auch die Gottheit selbst nicht frei, denn wer will behaupten, daß das Böse bei ihr auch nur ein möglicher Gegenstand ihrer Wahl sein könne. Nehmen wir aber das Wort in dem von uns angcgebe-, nen, Sinne, daß sie in dem Vermögen eines jeden geistigen Prinzips bestehe, unabhängig von allen äußern Motiven, seiner Natur angemessen zu handeln und durch nichts, als durch seine eigene Gesetzgebung bestimmt zu werden , so hat das reingeistige Wesen gerade die höchste Freiheit. Es ist über allen äußern Einfluß erhaben und verfolgt unaufgehalten den Weg, der es zum Besitze des Guten und Wahren führet. Und darin besteht denn eben seine Seligkeit. Im reinen und ewigen Anschaucn des Guten und Wahren versunken, fühlt es im höchsten Grade jene Wonne, wovon uns schon hier im Staube das Bewußtsein einer guten Handlung einen kleinen Vorschmack giebt. Alle seine geistigen Kräfte sind nun zur höchsten Potenz erhoben und alle streben vereint dem Einen Ziele zu, das zu erreichen seine höchste Wonne ist. Aber lange mag der Weg dauern, den es zu durchlaufen hat, ehe es diese höchste, an die Gottheit gleichsam selbst angränzende, Stufe der Vollkommenheit erreicht. Nicht JI. Lahrg. i. Band. 4