Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 6 (1820-1824)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über den Begriff der sittlichen Freiheit
- Date
- 1820-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 5)
- Language
- German
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~ ~ 45 prmzips sprechen, so betrachten wir dasselbe nicht mehr als Erscheinung, sondern als Substanz an und für sich, unabhängig von allem materiellen -Organismus -und allen Außendingen. - Wir erkennen alsdann durch ein inneres Gefühl, daß Vernunft im höchsten und allgemeinsten Sinne allein das-Wesen der menschlichen Seele ausmache. Die einzigen Objekte dieser Vernunft sind das Wahre und Gute, so wie das Gegentheil beider, die Lüge und das Böse. Ersteres, das Wahre undGutej muß die Vernunft, wie auch Kant sagt, n o t h w e n d i g begehren, letzteres, die Lüge-und das Böse, nothwen-- d i g verabscheuen, d. h. in der Natur des Geistes an und für sich, als reine übersinnlich^ Intelligenz betrachtet, liegt wesentlich das Streben nach dem Wahren und Guten; die Lüge und das Böse ist aber seiner Natur geradezu entgegen , und die vollendete Construction von Beiden müßte sein Wesen vernichten , wenn eine solche möglich wäre. Darum ist denn eben das Sittengesetz mit der geistigen Natur der menschlichen Seele unmittelbar selbstgegeben; es ist nicht ein Resultat von Reflexionen, sondern allen Reflexionen vorangehend, nicht eine Folge der intellektuellen Ausbildung, sondern durch dieselbe in der Erscheinungswelt nur zum mehr oder minder deutlichen Bewußtsein gebracht. Für die Seele, als reine Intelligenz, - ist es nicht sowol Gesetz , als vielmehr Instinkt, denn es ist wesentlich mit ihrer Natur verbunden, aber für die Seele in der Erscheinung ist es Gesetz , denn diese ist dem Einflüsse äußerer Triebfedern bloßgestellt. Jetzt entsteht auch eigentlich erst der Begriff von Freiheit, sowie der Begriff von Gesundheit nur entstehen kann,