Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 5 (1817-1820)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Einige Bemerkungen über Religionsunterricht
- Date
- 1817-01-01
- Page
- Seite 373 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2304627-2304637-2304639-2308462--05750-2308938- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
373 höchsten Strebens würdig ist und allein sein ganzes Gemüth aussüllen soll. Das alles aber vermag kein katechetischer Religionsunterricht, eben weil er das Herz kalt läßt und bloß den Verstand in Anspruch nimmt. Es ist meine Meinung indessen ganz und gar nicht, den Vers stand völlig von der Religion auszuschließen und einzig nur auf Herz und Gefühl zu wirken, aber ich glaube, das letztere müsse immer die Hauptsache bleiben und der Verstand nur in so fern zu Hülfe gerufen werden, als eine deutliche Einsicht in das Wesen religiöser Begriffe allerdings beitragt, die Empfindung mehr zu befestigen, und ihr einen höhern Haltungspunkt zu geben , ohne welchen sie nur zu leicht in bloßen Mystizismus ausartct. Darum können und sollen allerdings in dem Religion?-- unterrichte auch die Begriffe von der Gottheit, den Verhältnissen des Menschen zu ihr, seinen Pflichten sowol gegen Gott, als gegen sich selbst und seine Mitmenschen, katechetisch erörtert und durchgenommen werden; doch den ganzen Unterricht darauf einzuschranken, das kann nur Verderben, aber nicht Segen bringen. Sollte ich in dieser Hinsicht Vorschläge zu thun haben, so würde ich zuvörderst für den Religionsunterricht die erste Stunde des Tages bestimmen. Das jugendliche Gemüth ist dann weit weniger zerstreuet, Herz und G/ist, gestärkt durch den vorangegangenen Schlaf, sind noch in voller Frische und jedem Eindrücke zugänglicher. Ein warmes, aus dem Herzen kommendes Gebet, bisweilen rin feierlicher Gesang, unter Begleitung einer kleinen Orgel, müßte das Gemüth zu jener Stimmung erheben, die durchaus bei dem Religionsunterrichte erfodert wird, wenn er mit