Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 5 (1817-1820)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Einige Bemerkungen über Religionsunterricht
- Date
- 1817-01-01
- Page
- Seite 372 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2304627-2304637-2304639-2308462--05749-2308937- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
372 ——^ für den Menschen überzeugen, und glaubte, diese Ueberzcugung wäre vollkommen Hinlänglich, um Ehrfurcht und Achtung für das Heilige bei dem Schüler zu erwecken, und ihm Sinn für Lugend und Religiosität mitzutheilen. Aber man bedachte nicht, daß eben unter dem Schwall von Definitionen und Verstandesbegriffen der zarte Keim ersticken müßte, daß man den Boden, wo er wachsen sollte, mit Schnee und Eis belegte, anstatt den warmen befruchtenden Regen des Himmels auf ihn strömen zu lasten. Was konnten für andere Folgen entstehen, als die wir leider genug allenthalben vor Augen sehen? Die Lehren der Religion sind wahrlich von der Art, daß sie nicht erst einer logischen Demonstration bedürfen. Der Glaube an Gott, Fortdauer nach dem Lode und Dergeltung, das Gefühl, du mußt recht und tugendhaft Handein, wenn du Gottes Liebe dich würdig machen und dein wahres Glück befördern willst, sind schon von der Natur so tief in das menschliche Herz gelegt, daß sie nicht erst von außen in dasselbe getragen zu werden brauchen. Aber erweckt sollen und müssen diese Ideen in der Seele des Kindes werden, und nicht bloß erweckt, soydern auch zum vollen warmen Leben hervokgerufen, damit sie ihr wohlthätiges Feuer über das ganze Dasein des künftigen Würgers verbreiten, damit sie mitten unter dem Gerausche der Geschäfte, unter den Lockungen des Sinnenreizes, unter den Pfeilen der Verführung, die den in das bürgerliche Leben eintretenden Jüngling von allen Seiten bestürmen, doch ungebeugt und ungeschwächt siehen bleiben und fest haften und den Geist über die Ma<° terie erheben und ihn führen zu dem, der allein seines