Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 5 (1817-1820)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Rede bei Eröffnung der religiös-moralischen Vorlesungen für Israeliten in Prag
- Date
- 1817-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 6)
- Language
- German
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2ZZ uns in das Reich der Chimären hinüber tragen, und wir sind in Gefahr, das.größte Ungeheuer selbst, den Mo- Loch, als eine Gottheit anzubtten. Wo haben wir einen Leitstern, der uns aus dieser Irre, aus der finstern Schwärrnerei führt? Die Fackel der Vernunft ist es, die, wie einst die Feuerfäule den Israeliten, uns vorleuchtet, und aus diesem fürchterlichen Labyrinth auf den rechten. Weg leitet. Die Vernunft giebt uns die große Lehre: Gott könne zuweilen übernatürlich, nie aber widernatürlich, wider sich selbst wirken, noch wirken lassen. Natur und Offenbarung, beide Acußerungen der endlosen Güte, beide Organe des all- Liebenden Vaters, können nie in Widerspruch kommen. Was mit der Natur streitet, muß auch dem Willen Got- -tos -entgegen--sein; was das wohlgeordnete Gefühl verletzt, kann das huldvollste Wesen höchstens als Versuchung begehren, und nur als Strafe zur Ausführung kommen Lassen. Vernunft und Religion müssen also einander wechsclfeitig die Hände bieten; und beide sind gemeinschaftlich die Schutzengel, welche, wie der Talmud spricht, dem Menschen zur Seite .gehen. Dieses meint auch jener große Rabbi,*) indem er die Frage aufwirft: ״Welcher Weg ist der rechte , den. der Mensch, zu wählen hätte?" und die Antwort hinzusetzt: ״Jener ist der .rechte Weg, der zur Verherrlichung des Schöpfers und zur Verherrlichung der Menschheit führt." Das ist der Weg zur Offenbarung,; f *) Abborh. 2. Abfch ן V. Iahrg. 2. Band.