Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 5 (1817-1820)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Rede bei Eröffnung der religiös-moralischen Vorlesungen für Israeliten in Prag
- Date
- 1817-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 5)
- Language
- German
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fei es von mir, von Gott abzufallen! Konnte ich meinem Herrn, dem Gesalbten Gottes, solches thun, meine Hand mider ihn auszustrcckcn? Er ist nun einmal ein von Gott Gesalbter!" *) Vor dieser religiösen Betrachtung derschwanden, wie Nebel vor der Sonne, alle Aufwallungen von Groll- Feindseligkeit und Rachbegierde. So macht das von der. ffiernunft eingeräumte Recht, oft streng, hart, unnachsichtlich. Die Religion lehrt uns aber, Gott nachahmcn, gütig, milde, versöhnlich und liebreich werden. . Die sanfte Tochter des Himmels blieb aber nicht lange in ihrer ursprünglichen Schönheit und edlen Einfachheit, wie sie von oben herab gestiegen. Die dem Menschen so natürliche Sucht, Alles auszuschmücken, an Allem zu künsteln, dann ein mißgeleitcter Eifer/ ein Ueberschwung der Phantasie, oft auch-der Frevel, , sie, die Heilige, zum Deckmantel der Laster zu mißbrauchen, überluden sie mit fremden, phantastischen Verzierungen, beraubten sie ihrer einnehmenden Anmuth, und das Ebenbild Gottes wurde ein schrcckcnerregendcs Zerrbild. U!1gereimthcitcn, falsche Begriffe, Aberglauben und Jrrthürner würdigten das schönste Geschenk des Himmels so weit herab, Laß es zuletzt , der Schwärmerei zum Werkzeug dienen mußre, womit Brüder Brüder hinmordcten. Die Geschichte der Verirrungen des Menschengeschlechts ist voll der Unmenschlichkeitcn und schaudervollen Blutsccncn, welche der ungezügelte Fanatismus angerichtet hat. — Laßt eine wilde, vom Mysiicismus beflügelte Einbildungskraft