Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 5 (1817-1820)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der fromme Asaria
- Date
- 1817-01-01
- Page
- Seite 224 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Wohl mag es euch tölpisch gedeucht, und gar ein vcrsiohlncs spöttisches Lächeln abgclockt haben, als ich mich des schützenden Gewandes entledigte, da wir durch die unschoncndcn Dornhcckcn uns winden mußten; denn es sind ja die Erdcnsöhne immer blind und voreilig in ihrem Urthcilc, und immer geneigt, nach dem Scheine zu richten. Wisset daher, cs war das Gewand — nicht das Meine, ich hatte es von meinem Nachbar geborgt. Ich zog mir die Schuhe an, wahrend ihr sie auszöget, alZ wir durch den Fluß wollten, weil ich glaube, man müsse da, wo man mit dem Auge des. Gesichts oder dem der Wernunst nicht durchblickcn kann, gar fein bedächtig zu Werke schreiten. Konnte ich doch auf den Grund des Wassers nicht sehen, und meine Füße waren «her in Gefahr, verwundet zu werden an einem spitzigen Steine oder scharfen Glase, wo ich auf dem Trocknen sonder Furcht sein kann, da mein Auge jedweden Stein . des Anstoßes entdecken kann. Und wahrlich hat der Herr meiner Frau Gebet eher vernommen, denn das meinige; denn wenn ich auch mein ganzes Leben gcweihet habe seinem Dienste, dem Forschen seiner Größe, dem Bewundern und Anstauncn seiner Allgewalt, dem Bemühen, einzudringen in die Gesetze seiner Natur; so dienet aber meine Frau desto mehr der dürftigen leidenden Menschheit. Wenn jemand in unserm Orte von gewaltsamer unwiderstehlicher Hai d bösartiger Krankheit hingcstreckt wird aufs Siechlager, so eilet sie alsbald theilnchmend an sein Bette, pflegt sein mit schwesterlich sorgfältiger Liebe unermüdlich, bis er geneset. Wo Elend und Drangsal ihren Wohnsitz