Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 5 (1817-1820)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Einige Gedanken über den Zufall
- Date
- 1817-01-01
- Page
- Seite 386 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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fährt und was er thut, auf ihn bezieht, kann es in seiner ganzen Starke erkennen, daß schlechterdings Alles von diesem-höchsten Urheber unsers Daseins regiert und gelenkt. werde, und dieser, Gedanke wird sein Herz im Unglücke mit Trost und Muth, im Glücke mit Bescheidenheit und Mäßigung erfüllen. Es hat daher gewiß nichts so viel Einstuß auf die Frivolität unsers Zeitalters gehabt, als eben der Begriff des Zufalls. Läßt der Mensch ein blindes Ungefähr in die Reihe der Begebenheiten einwirken, so fällt aller Glaube an Gott, alle Andacht des Gebetes , kurz alle wahre Religiosität weg. Wozu ein Glaube an Gott, wozu ein andächtiges Gebet, wenn ein blindes Schicksal, wenn der Zufall die Welt -regiert? Auf diesen haben die sehnsuchtsvollen Wünsche meines Herzens keinen Einfluß, er weiß nichts von meinen- Bedürfnissen, von meiner Angst, von meinem Streben. Ob er mir hilft oder nicht, das gilt ihm gleich-; er wirkt, wie ein launenhafter Mensch, nicht aus Gründen, sondern nach Einfällen. Ihm gilt-der Böse so viel als der Gute, der Weise so viel als der Thor. Er streuet Gutes und Böses aus, ohne sich darum zu bekümmern, auf welchen Boden es fällt. Wahrlich eine solche Denkungsart kann-mit keiner religiösen Gesinnung verbunden sein; sie kann uns weder Muth, noch Freudigfeit geben, sie muß uns vielmehr in'Leiden .mit Verzweiflung erfüllen. Ich glaube daher, man sollte aus allen Kräften streben, diesen widrigen Begriff aus unfern Ideen zu entfernen. Erzieher insbesondere sollten bei ihren-Zöglingen ihre ganze Kraft daraus richten, demselben entgegen zu arbeiten, und ihr Gemüth ans jene