Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 5 (1817-1820)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Rede, gehalten am Stiftungstage der von Mitgliedern der Israelitischen Gemeinde errichteten Gesellschaft der Humanität zu Kassel
- Date
- 1817-01-01
- Page
- Seite 364 (sequence 7)
- Language
- German
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3% Doch, bevor der Arzt zu einem Heilungsverfuche schreitet, geziemt ihm erst das Untersuchen und Erkennen der Krankheit. Bevor wir uns fragen: was sollen wir thun? durch welche Mittel, durch welches Verfahren können wir dem Namen unserer Gesellschaft entsprechen? müssen wir zuerst die Mängel׳ aüfsuchen, müssen wir uns zuerst die Art des Bedürfnisses - deutlich vor Augen Men. — . - Jenes geistige Uebel ist es, jene geistige Art von Dürftigkeit, jener so tief gefühlte Mangel an beglückendem Wohlstände des Gemüths ist es, m. H., woran ein großer Theil unserer Stammesgenossen leidet; der religiöse Zustand derselben ist es, dem wir eine ernsthafte Betrachtung widmen, dem wir eine prüfende Aufmerksamkeit schenkrn müssen. Der Strom der Zeit, mit einem Zusammenflüsse von Umständen und Ereigriissen hat Mißverhältniß und getheilten Sinn iw der Sache der Religion hervorgebracht. Gleichgültigkeit und lässiges Wesen ist an die Stelle frommer, ernstlicher Anhänglichkeit getreten. Mangel an äußerlicher Uebereinstimnmng der gottesdienstlichen Gebräuche, durch falsche Aufklärung und irrige Frömmigkeit und Gewohnheitsliebe entstanden, hat die Gemüther mit zweifelhaftem Widerspruche bestrickt. Ein Gebäude, das aus den Fugen ausgetreten ist, dessen Gebälk den Verzapfungen entrückt, ist gleichsam, bei vielen unserer Religionsgenossen, das religiöse Lehrgebäude, geworden. " Allgemein und einstimmig, wenn gleich in Wort und Urtheil verschieden, allgemein und einstimmig ertönen die Klagelaute wegen dieses Uebels. Gleich innig und