Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 5 (1817-1820)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Einige Worte über Realschulen
- Date
- 1817-01-01
- Page
- Seite 298 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2304627-2304637-2304638-2307729--05077-2308178- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
29$ So groß aber auch die bildende Kraft der alten Mersterwerke ist, und so sicher sie, wenn ihr die gehörige Nichtung gegeben wird, zum Ziele: Erhebung und V e redluug des Geistes zur Humanität, führet; so eignen sie sich dennoch keinesweges zum allgemeinen und ausschließenden Bildungsmittel für die meisten Stande des bürgerlichen Lebens. Denn das Studium der klassisehen Literatur verlangt, wenn es mehr als Anfüllung des Gedächtnisses mit Wörtern und Phrasen sein soll, ein Maaß von natürlichen Anlagen, das nur der kleinern Zahl der Menschen zu Theil wird, und — was eben so ׳wichtig ist — das Heiligthum, zu welchem die ehrwürdigen Alten führen , fordert von seinen -Priestern eine längere Ausdauer in seinem Dienste, als die meisten Berufsar-- ten des bürgerlichen Lebens ihm widmen können; nicht Lehrlingen, die nach kaum zurückgelegten Probejahren den Dienst verlassen um andern Gottheiten zu opfern, werden seine Geheimnisse offenbart. K h u c y d i d e s und K a-- c i t u s , D.e m o st h e n e s und Cicero haben ihre unsterblichen Werke nicht für Knaben geschrieben, und wer dis Alten als eine Beschäftigung der unreifen Jugendjahre benutzen, in seinem ganzen Leben aber weder praktischen Gebrauch von ihnen zu machen, noch sie zur Erweiterung seiner Seelenkräfte und zur stärkenden Nahrung des Geistcs anzuwenden gedenket, der thut besser chie wenigen Jahre, die seiner Bildung bestimmt sind, andern Gegenständen zuzuwenden., Als man diese Wahrheiten einzusehen ansing, als man bemerkte, wie schlecht es bei der großen Menge von Gelehrtenschulen um die Bildung des Bürgers stand;