Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 5 (1817-1820)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Rede an der Wiege eines achttägigen Kindes
- Date
- 1817-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2304627-2304637-2304638-2307710--04998-2308129- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
340 -- Sünderin! Glanz und Würden umstrahlen dich. — Strebst du nach Gold, so kannst du Landwirth, Oekonvm, Grundbesitzer werden, und es wird wohl nicht an Mißjahren fehlen, die bald zum reichen Mann dich machen. Doch, was höre ich? du stöhnst, du ächzest? macht dir vielleicht meine Rede Langeweile und willst du etwa nach Art der meisten Hörer , schlafen? — Himmel! was sch ich! dü blutest. — Ha! welcher Barbar hat dir dieß gethan — wehe! du bist nicht complet? unglückliches Geschöpf! Sei so tapfer wie Curtius, so gerecht wie Aristide ein Weltweiftr wie Mendelssohn, du bist nicht complet mein Söhnlein! du mußt — rechnen. Zahlen, Zahlen sind deine Bestimmung und über die Null erhebst du dich nicht. Viel wirst du hören von Humanität und Milantropie, überall wirst du sie vermissen, nicht achten wird man deine Menschenwürde, dein Recht in der bürgerlichen Gesellschaft dir verweigern, nie das Unglück dir verzeihen, das dir heute widerfuhr, und sich noch edel und menschlich bedünken, wenn man dich — nicht schlachtet.. Unglückliches Geschöpf! gehemmt in jedem Wirkungs-- kreise, gestört in allen Beziehungen, ,schuldlos geächtet, in deiner Heimath Fremdling, wird man nur all zu sehr vergessen , daß du aus gleichem Stoffe geformt, gleichen Antheil an der Schöpfung hast, wird man dich zertreten, und es dir dann zum Verbrechen machen, daß du zertreten bist. Unglückliches Geschöpf! Noch unglücklicher, wenn du über deiner Unglücksgenoffen Sphäre heraustretend