Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 5 (1817-1820)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ideen über moralische Erziehung und Moralunterricht
- Date
- 1817-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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169 plicitat der Tugend darthun, daß es Pflicht sei, mit seinem Ueberflusse dem Mangel Anderer abzuhelfen/ sondem im Gegentheile durch Ueberschätzung jener Geschenke des Zufalls. Auch diese Verfahrungsart scheint mir, ich wage es um so mehr dieses zu behaupten, da ein genialer Schriftsteller*) dasselbe Urtheil äußerte, zweckwidrig und widersinnig. Denn eben der Werth, welchen man den Zögling auf Bequemlichkeit und Glücksgüter setzen lehrt, muß ihn einst, vorzüglich wenn der Dienst, welchen er seinem Nebenmenschen leisten soll, wesentliche Aufopferung kosten würde, taub machen gegen das Flehen des Armen und die Seufzer des Unterdrückten. Zu, geschweigen, daß die Tugend, welche einzig und allein dkm Mitleiden ihr Dasein verdankt, und worin also gar kein freier Wille liegt, genau betrachtet diesen Namen eben so wenig verdient, als die Enthaltsamkeit eines im hohen Grade Geschwächten und Kranken. — Aber -r wird von vielen Pädagogen wider die eben vorgetragenen Ideen eingewandt — selbst die Wahrheit des hier Gesagten in der Theorie zugegeben, so gehören doch dieselben nur in eine ideale Pädagogik. Der vielgestaltige Mensch läßt sich nun einmal nicht nach bloßen Theorien abregeln , und wir würden,die Anzahl der guten Handlungen gar sehr vermindern, wenn wir nur solche ausgeübt wissen wollten, welche aus'den reinsten Bewegsgründen entspringen. Was würde also die An- Wendung eines solchen Rigorismus anders Hervorbringen, als daß des Guten (in der Erscheinung) noch weit wem- ,*) Jean Paul in der Levana. -