Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 5 (1817-1820)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ideen über moralische Erziehung und Moralunterricht
- Date
- 1817-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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s68 «״-־*-״— Kugenkann eben so wenig ohne Kraft,: wie der Adler ohne Flügel bestehen. Der Trieb zum Guten sei rat Weichling so mächtig er immer wolle — der wahren Tugend, der Ehaten, welche Aufopferung kosten, ist er unfähig. Denn woher nähme er jene Festigkeit des Chargkters, welche das, Geschwätz des blinden Pöbels, welche die Hindernisse, die sich dem Guten stets und immer von Neuem entgegenstemmen, verachten lehrt? Ueber das Unglück seines Mitmenschen klagen, ächzen, stöhneK das kann er, der Weichling , ihm abzuhelfen erfordert Männerkraft! Die Tugendlehre ist also,׳ wie die ehemalige Persische Erziehung so schön beweist, eine Art von Seelen - Gymnastik, allein fähig, nicht, das Flugfeuer des Enthusiasmus , sondern dauernde Wärme fürs Gute in uns hervorzubringen, Eben deswegen aber ist das wichtigste, was zur Lugendbildung zu thun ist, der negative Theil der Erziehung , die Vernichtung der Keime, -der Selbstheit, der Weichlichkeit u. s. w. Wie in aller Welt aber kann man glauben, die Tugend gar durch diese Letztere hervorzubringen? Und sind die empsindelnden Predigten so vieler Erzieher nicht gerade auf diesen Zweck gerichtet? Denke dir — heißt es — wie elend, wie so äußerst unglücklich dieser Arme ist. Siehe, welche Kleider er trägt, wie er durch Durst und Hunger zum elenbestem Sterblichen wird, wie er des Abends auf hartem Stroh liegt, und höchstens mit Brod seinen Hunger stillen, mit Wasser seinen Durst löschen kann." So lehren viele Erzieher die Pflicht, seinem Mitmenschen mit seinen Glücksgütern beizustehen , nicht dadurch, daß sie diese letztem gering schätzen lehren, und mit der Sim-