Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 5 (1817-1820)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ideen über moralische Erziehung und Moralunterricht
- Date
- 1817-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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167 warum man nicht lügen, nicht stehlen, nicht verlaumden dürfe, wenn ihr nicht durch indiskretes Klügeln die Moral schon aus seinem Herzen wegraisonnirt habt, und. nun euch mühsam bestreben müßt, sie seinem Kopfe aufzudrängen. Aber Menschenwerk ist vergänglich; indeß was Gott gepflanzt hat dauernd ist und ewig. Geht ihnen mit euerm Beispiele voran, lehrt sie die guten Menschen der Vor -und Mitwelt kennen, und überhebt euch immerhin jedes Zergliederns, oder vielmehr jedes Zersplitterns des innersten Gefühls!— - In so fern also die Moral die Gesetze der Rechtlichkeit entwickelt,'glaube ich das hier Gesagte, mit Recht behaupten zu können: minder wahr scheint es mir jedoch, insofern sie die Sittengesetze, und besonders die für das weibliche, Geschlecht enthält. Denn obgleich auch diese im Ganzen auf ein Gefühl sich stützen, das der Zergliederung noch weniger fähig sein dürste, so kann man doch nicht in Abrede sein, daß in der Form derselben sich in jedem Lande viel Conventionnelles befinde, welches wohl schwerlich aus dem Gewissen entwickelt werden kann. Hier dürfte also eine Schilderung selbst der äußern Vortheile derselben, so wie der höhern Achtung, welche jeder. bessere Mensch für ein sittsames Mädchen habe, nicht am Unrechten Orte sein. Nicht ohne Furcht, eine Idee für eine Beobachtung zu nehmen, wage ich es, hier eine Bemerkung hinzuzufügen, welche mir hie und da allzuwenig beachtet scheint. — Tugend bedeutete bekanntlich den Alten Iso viel als Kräst (virtus). Und das mit Recht. Denn