Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 5 (1817-1820)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ideen über moralische Erziehung und Moralunterricht
- Date
- 1817-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 7)
- Language
- German
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r§3 -:׳׳ Diese Betrachtung nun veranlaßt viele Erzieher, das Kind schon in einem Alter, wo es für die hohen Lehren der Religion noch gar keinen Sinn hat, mit denselben bekannt zu machen, und es durch die Furcht vor dem Allgegenwärtigen vom Bösen abzuhalten. *) Und ich gestehe gern, daß, wenn es durchaus nöthig ware, zwischen beiden Verfahrungsarten zu wählen, diese bei weitem die Vorzüglichere sein würde. Denn sie sucht doch wepigstens auf das moralische Gefühl durch ein verschwister-- tes, dem Gemüthe nicht minder eingeprägtes, zu wirken. — Zndeß scheint es nstr dennoch seltsam, die Ursache durch die Wirkung Hervorrufen, durch Religion, die Mochter der Moral', die Mutter zur Welt bringen zu. wollen. Ich glaube nämlich voraussetzen zu dürfen, was Kant und so viele Weisen nach ihm so trefflich dargetyan haben, daß die Religion eben eine Frucht des durch die Moral erregten Seelenöedürfniffes ist, . welches uns mit dem moralischsten Wesen, so zu sagen, näher verbindet, uns dasselbe ahnen und erkennen läßt.**)' Aber 12 4 *) Qaand ils paiient de Dieu — sagt ein genialer Franzose — c’est nioins parcequ’ils le craiguent que parcequ’ils eil ont i peur (Maximes de la RncI1e~ ' ibueault.) **) Obgleich das hier angegebene Verhaltniß zwischen der Sittenlehre und Religion wohl nur von Kantianern gebilligt werden dürfte, so glaube ich doch nach den ,Grundsätzen der neuern Schulen behaupten zu können: daß der Religion, alsreines, Produkt des innern .. Sinnes, zwar ein Platz neben der Moral gebühre, eine Priorität dieser erstcrn aber durchaus nicht zugegeben werden kann, wenn man nicht, der, färchterlichsten Geißel her Menschheit, der vermeintlich