Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 5 (1817-1820)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ideen über moralische Erziehung und Moralunterricht
- Date
- 1817-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 3)
- Language
- German
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*59, י : Aber, eben hier ist , wie ich zu behaupten ׳wage , dir Klippe, woran so> mancher Erzieher, so mancher Elementarschriftsteller scheiterte. Ich meine die Verwechselung des ästhetisch- Guten mit dem moralisch- Guten, der verfliegenden Auswallung mit der inneren Moralität. Wenn sie nur augenblicklich ein gutes Gefühl, eine gute Handlung erzwingen, so lassen viele es unbeachtet, ob dadurch der moralische Charakter des Zöglings» verbessert oder verschlimmert wird, ob das Gute aus Tugend geschieht oder nicht. Man höre doch nur den sogenannten ״moralischen" Vortrag so vieler Lehrer der Jugend an. ״Aber?- heißt es -7wie kannst du nur so ein Lügner, ein,Verläumder u. d. gl. sein , weißt du denn nicht, , daß dergleichen Kinder von allen Menschen gehaßt oder verachtet werden?" oder: ״heute bist du einmal recht brav, wenn du so fortfährst, so wirst du gewiß einst von Allen geehrt und bewundert." So ist jederzeit das Urtheil Anderer der Popanz, der vor dem Bösen /zurückschrecken, oder der Köder, der zu dem Guten locken soll. Und nun tritt der Jüngling in die Welt, gerath in Gesellschaften, wo man die Bewunderung .oder Verachtung nach einem ganz andern Maaßstabe zu messen gewohnt ist, und weil er euern Grundsätzen getreu bleibt, wird und muß er euern Lehren untreu werden. Wenn nun sein böser Stern ihn unter Menschen führt, welchen die Tugend ein Gegenstand des Spottes ist, manche Laster hingegen gleichgültig oder gar verdienstlich erscheinen, handelt er da nicht nach euerer Lehre ganz consequent, wenn er mit dem Strome fortschwimmt um dieses Lob;-