Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 5 (1817-1820)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Juden, und ihre gerechten Ansprüche an die christlichen Staaten
- Date
- 1817-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 9)
- Language
- German
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88 Juden, besonders bei der ungebildeten Klasse der Ehrlsten. Wie viele empörende Beispiele von Jüdenberaubungen und Judenmord haben wir schon erlebt , um einsehen zu lernen, daß solche gehäßige Ansichten sich im praktischen Leben immer in ihrer hoch sten Ausartung, darstellen. Statt aller Beispiele erlaube ich mir zum Belege nur ein einziges anzuführen: Während meiner Studierjahre auf der Universität zu Göttingen wurde km Jahre ig02 zu Erichsburg unweit Eimbeck eine Bäuerin mit dem Schwerte hingerichtet, die einen Juden in ihre Wohnung gelockt , dann mit einem Weile erschlagen und beraubt hatte? Bei der Special-Inquisition behauptete die Berbrecherin fest: es läge ja nicht viel an dem Ermordeten, e r w ä r e. nur ein Jude gewesen. Ich erfuhr nachher, wie viel Mühe es sowohl die Gerichte, als den Geistlichen gekostet habe, die Frau zu überzeugen, daß das Leben des Juden so heilig und werth sei, wie das Leben des Christen. , So wie wir also auf der einen Seite die Fehler, Gebrechen und Laster, deren sich einzelne Juden schuldig machen, laut verbreiten, damit diese ohnehin so zurückgesetzte Klasse von Menschen noch des letzten Fünkchens von Ehre und Achtung beraubt, und gleichsam moralisch tod gemacht werde, so sind wir auf der andern Seite gewöhnlich sehr still, wenn wir edle Handlungen von Juden hören, die ihren bessern Werth beurkunden. Eine z w e i t e H a u p t q u e l l e, warum wjr dem Juden so abgeneigt sind', möchte wohl diese sein, weil er