Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Über die Erscheinung in der Welt, daß die Bösen meist glücklich, die Guten hingegen meist unglücklich sind
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 381 (sequence 4)
- Language
- German
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—י— m Menschen, dir nicht so sind und handeln, wie die Dösen, werben in der Welt g u t e M e n sch e n genannt. Menschen also, die auch die feinste Afterpolitik und Ras« finerie für ein schwaches und leicht zerbrechliches Rohr halten, und deßhalb auch der Tugend, oder der Ehrlich» feit und Rechtschaffenheit und Einfachheit huldigen; Men» scheu, die an Gott und sein Wort, die an Vorsehung und an glückliche und unglückliche Fortdauer nach dem Tode Nicht bloß glauben, sondern auch bei ihrem Thun und Lassen darauf Rücksicht nehmen; Menschrn, die, weil st« die gleisnerische Afterpolitik hassen, auch keine Fertigkeit in deren Praxis erlangen, folglich in der eleganten, fei» neu, glanzenden Welt keine Rolle spielen können, aber auch nicht spielen wollen , da str ein reges Gewissen haben, und weit lieber in einem geringem einfachen, ruhi» gen Zustand sich befinden, als auf Kosten und Gefahren Anderer die halbe Welt, die größten Vortheile besitzen mögen. Die Formeln, die man von einem solchen guten Menschen zu gebrauchen pflegt: der läßt Jedermann in feinen Würden; der trübt kein Wasser; der geht jedem Kind aus dem Weg; der will nichts haben, wcnn's mit Unrecht zusammen hängt; der begnügt sich lieber midWaf» ser und Brod, als daß er heucheln und schmeicheln solltei der lebt in seiner Einfalt; und läßt die Welt Welt sein; — diese und andere solche Formeln beweisen die Richtigkeit meiner Angabe; beweisen, daß man unter guten Menschen stille, ehrliche, genügsame und gewissenhafte Leute versteht. Und so wäre denn hiermit erklärt, was die Welt gewöhn»!ich unter glücklichen und unglücklichen, unter guten und dösen Menschrn sich vorstellt.