Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Macht der Gewohnheit
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 351 (sequence 3)
- Language
- German
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351 In '** lebte in der Mitte des vorigen Jahrhundert- «in Mann Israelitischen Glaubens, welcher dem Tabackrauchen so sehr ergeben war, daß er fast keine Stunde des Tages ohne dasselbe zubringen konnte. Gleichwohl wußte er aus religiösen Grundsätzen diese Leidenschaft zu bekämpfen und sich des Rauchens 24 Stunden, und wohl noch langer, zu entbalten. Denn, da vermöge eines jüdi» schen Gesetzes das Rauchen am Sabbath nicht erlaubt ist, so war er gewohnt, mit dem Eintritte desselben, der br» kanntlich immer am Freitage gegen Abend, bald früher, bald später, nach den verschiedenen Jahreszeiten, trist, die Pfeife auf die Seite zu setzen, und es kostete ihn nicht die mindeste Ueberwindung, d-n Sabbath, heiligen Dcschäfti« gunden gewidmet, ohne Rauchen hinzubringen. Daß er mit dem Ausgange des Sabbaths jedesmal um so begie» riger sich diesem Genüsse wieder ergab, dieß läßt sich leicht denken. Er hatte das Unglück, eines ihm mit Unrecht angeschuldigten Verbrechens halber, in ein Gefängniß ge« bracht zu werden, wo er in einem unterirdischen Kerker, wohin weder Sonne noch Mond geschienen hatte, ein hal« bes Jahr lang schmachten mußte. Endlich gelang es sei» nem Advokaten, seine Unschuld zu beweisen und er ward hierauf aus seinem Kerker entlassen. Als er nun bald darauf im freundlichen Kreise seiner Verwandten dieß erlittene Un« gemach schilderte, das ihm während seines stchsmonatlichei» Gefängnisses» des Tageslichtes und jedes sinnlichen Ge» uusses raubte, fragte ihn einer aus der Gesellschaft: ״Aber wie konnten Sie in diesem engen, finstern Gemache den Sabbath von den Wochentagen unterscheiden?" Dieß wurde mir sehr leicht, erwiebrrte jener, Cie wissen, meine Freunde.