Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Macht der Gewohnheit
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 350 (sequence 2)
- Language
- German
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m uns erzeugt, den je ein positives Leiden zu btwir« kr» vermag. Selbst angewohnte Meinungen in Glaubens» fachen plötzlich aufzugebcn. ui» ste für andere, wenn gleich besser«, zu vertauschen, würde in unserm Gemütbe eint Zerrüttung hervorbringen und uns trübe Tage bereiten.*) So stark ist die Macht der Gewohnheit, daß st׳ sich des ganzen Menschen bemeisterr! Von dieser Wahrheit, die sich auf unserer sublunarischen Erde so vielseitig bestänqt, sollten Eltern und Erzieh r die heilsame Regel abstrahiren: Man muß die Kinder frühzeitig gewöhnen und mit Strenge «nbalten, sich immer so zu bctragen, wie man cs in rei. fern Jahren von ihnen wünscht; das Brave und Gute muß ihn.n zur andern Natur werden. Ein Beweis, daß Gewohnheit in einer und eben der» selben Sache auch entgegengesetzte Vitkungen in uns her» Vorbringen könne, mag folgende Anekdote geben, welche sich wirklich ereignete, und die, in der Eulamith, in psychologi» scher Hinsicht, nicht am Unrechten Orte stehen dürfte. *) MaymonldeS in seinem More Nebochim (Th. 1, Abschn. zi.) rechnet die Gewohiheit zu den Hinterkiissen, die dem Menschen in der Erkenntniß der Wahr, heit entgegensiehen. Sowenig, fügt dieser Weltweise hinzu, es einem iandmanne behagen würde, sein ländlicheS Leben zu verlassen, die ni'e-rige Hütte mit einem großen Pallastr, die frugale Kost mit einer königliche» Tafel und den groben Kittel mit einem sridnrn Gewand« zu verwechseln, rb n so schwer wird es uns, Meinungen aufzugebcn, di« wir durch Erziehung »nd Gewöhn« heit liebgewonnen und gleichsam m!t unserm Wesen verwebt haben, «. s. w.