Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Predigt
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 257 (sequence 3)
- Language
- German
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257 lunqen eine Zufriedenkeit empfinden, wenn sie nicht unser Werk, sondern die Wirkung einer fremden Gewalt, einer unwidertreibiclikn Nolhwenkigkcit waren? Wie könnten wir eine Belohnung erwarten für Handlungen, die nicht aus freiem, aus eigenem Antriebe geschehen, sondern die Folgen einer nothwendigen Ursache sind? Doch daß wir frei find, daß es bei uns stehet, was wir thun und lassen und wie wir unser Verhalten einrichten wollen, daß wir daher das größte Recht haben, was von uns vorsetz» lich geschiehet einander zuzurechnen und uns als die wahren Urheber desselben einander zu behandeln» das fühlen wir so stark, davon haben wir ein so lebendiges Bewußtsein, daß es vergeblich ist, uns vom Gegcntheil überreden zu wollen. All« Verbindlichkeiten, die wir einander auflegen, alle Forderungen, die wir an einander machen, alle Hoff, nungen, die wir auf einander setzen, alle unsere häuslichen und gesellschaftlichen Verhältnisse, und endlich alle Pstich» ken, die uns Religion und Tugend gebieten, wären ohne Bedeutung und Kraft, wenn unser Wille nicht frei wäre, wenn wir unser Verhalten nicht selbst bestimmen könnten. Welch ein Streit, meine Zuhörer, welch ein Wider» spruch: der Rathschluß Gottes und unser Verhalten! Können dieselben Handlungen von Gott beschlossen, und doch unser freier Wille, von Ewigkeit her festgesetzt, und doch uns überlassen, vermöge des Raches Gottes nothwendig und vermöge unserer Freiheit ver änderlich sein? Scheint hier nicht alles einander aus« zuschließen, einander aufzuhebrn? — Es ist der Mühe werth, es ist sogar dringend nöthig, daß wir uns Licht über eine Sache verschaffen, die so