Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Einige Worte über religiöse Reden und Predigten unter den Israeliten
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 10)
- Language
- German
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850 Cs dürften aber auch die Ansprüche dabet nicht zu groß gemacht werden. Man muß billigerwrise bedenken, daß es unfern Glaubensgenossen bisher an Geiegrnbeit und Aufmunterung fehlte, sich als Kanzelredner zu bilden und sich diesem Fache zu widmen, und daß wir also noch keine Redner haben können, die, gebildet nach dem Muster eine- Demosthenes und Aeschines, eines Cicero's, Spalding, ZolMofer, Reinhardt u. a. m., durch ihre Reden allgemeine Bewunderung und Entzücken erregen. Doch dürfen wir mit Recht erwart n, daß wir in der Zukunft auch beliebte und berühmte Redner unter unS haben könnten. Die Versuche, welche seit einigen Jahren in diesem Betracht« gemacht wurden, haben hinlänglich gezeigt, daß diese Er» Wartung keineswegs ungegründet ist. Wenn der denkende Menschen - und Sittenbrobachttr überhaupt bereits mit Der» gnügen wahrnimmt, wir viele kcnntnißreiche, ticfdenkende und gebildete Israeliten es girbt, welche sich in verschiede« nm wissenschaftlichen Fachern rühmlich auszeichnen, und zu treten, pflegte in der Hauptkirche seiner Diöces wöchentlich ein paar Mal zu predigen. Der Strom seiner Beredsamkeit tobte vorzüglich gegen die Philo» sophrn, von denen dir Zuhvrerinnen leider nichts wuß» ten; er bewies unumstößlich, daß Voltaire und Rousseau in tausend Behauptungen, von denen seine Gemeinde nie etwas gehört hatte, auf eine frevelhafte Weise Unrecht gehabt. Alles schlief was gesund war. Nur ei« altes Mütterchen wacht« und sagte zur Toch» ter: ״ Große Gans! schämst du dick nicht zu schlafen, indeß uns der gnädige Herr so schöne Dinge von den beiden ebrwürdlgen Heiligen: Voltaire und Rvusseau rrzählt? — ,,