Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Einige Worte über religiöse Reden und Predigten unter den Israeliten
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 4)
- Language
- German
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«44 - nicht selten wegen ihres Tief, und Scharfsinnes, den ringe« weiheten Sachkenner unterhielten und belehrten» und von den theologischen Kenntnissen und dem Fleißr des Rabbiners' zeugten; so wurde gleichwohl der Hauptzweck dabei ver» fehlt. Das Volk gemeinverständlich über seine religiösen und moralischen Pflichten zu belehren, wurde keineswegs beachtet. Der größte Theil der Anwesenden sah und hörte, von langer Weile geplagt, gähnend zu, meinte zwar: der Rabbiner müsse doch seine Sache recht verstehen, weil die« ser und jener Gelehrte ihm seine Zufriedenheit bezeigte; freute sich aber doch, wenn die Predigt zu Ende kam und ging ohne irgend einen Nutzen in moralischer Hinsicht davon gehabt zu haben, wieder aus der Synagoge heraus. Manche Rabbinenmachten indcß freilich eine Ausnahme von dieser Regel. Eie munterten das Volk auf ihre Weise und aus allen Kräften, wo sie nur irgend Veranlassung fanden, zur Ausübung religiöser und moralischer Pflichten angemessen und liebevoll auf, und verfehlten fast nie ihren Entzweck, indem ihr heiliger Wandel und ihr ehrwürdiges Ansehen den erwünschten Eindruck vermehrten und ihre Sprache damals die des Volks, also verständlich, war. Allein nur wenige Gemeinden hatten sich solcher Redner zu erfreuen, bei denen Rednertalente und guter Wille vereinigt anzutref« fen waren, und die kleinen, oder armen Gemeinden, welche keinen» oder wenigstens keinen gelehrten Rabbiner besol« den konnten, hörten überdieß während des ganzen Jahrs kein Wort der Vermahnung und deS Trostes in ihren Tempeln, und wurden leider bloß dem Zufalle überlassen. In den großem Gemeinden predigten zuweilen wohl auch, wenn sie die Erlaubniß der Gemeindevorsteher erhiel«