Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Einige Worte über religiöse Reden und Predigten unter den Israeliten
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 3)
- Language
- German
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— 24; Als indeß bas Volk Israel seine Selbstständigkeit gänzlich verloren, Hattees zwar keine göttlichen Redner und Propheten mehr, welche durch die kräftig wirkende Macht ihrer heiligen Reden verirrte Sterbliche auf den rechten Weg der Wahrheit und des Lebens zurücksühren konnten; doch fehlte es ihnen auch in den später» Zeiten, selbst in den un« günstigsten Verhältnissen, keineswegs an edlen Männern, welche als Volksredner auftraten, und, gestützt auf dicLeh« ren der heiligen Schrift, Gutes und Heilbringendes lehr, tcn und verbreiteten. Seit mehrcrn Jahrhunderten hat sich gleichwohl lei« der sehr Vieles in unfern Gemeinden verschlimmert. Und wie konnte dieß auch anders möglich sein? Wie konnten Unglückliche, dir von allen Selten gehaßt, angefeindet, gekränkt und verfolgt wurden, deren Existenz so unsicher und im allgemeinen so elend war; wie konnten diese, die ohne kirchliches Oberhaupt umher irrten und oft froh genug waren, wenn sie den Gott ihrer Väter in irgend einer entlegenen Kammer nach ihrer Weift vereint anru« fen durften, irgend angemessenere Einrichtungen treffen, die sich den ursprünglich besseren näherten? Welch Wunder, daß sich die Einheit in den Einrichtungen, besonders in den deutschen und polnischen Gemeinden, immer mehr verloren und mancher ungünstig« Zustand herbrigeführt wurde? Predigten in den Synagogen gehörten nun zu den Seltenheiten. Nur zwei Mal in jedem Jahre, nämlich an den Sabbathen vor dem Versöhnungstage und vor dem Peßachfeste, betrat gewöhnlich der Rabbiner die Kan« zel in der Synagoge, und selbst dann bestand das Ganze nur in talmudischen Disputationen. Wenn nun diese zwar