Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ein Brief des Weltweisen Moses Mendelssohn
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 5)
- Language
- German
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!35 ten hat. Nach dieser aber muß der unvermuthete Charak. ter des Juden eine sehr rührende Wirkung auf die Zu. schauer thun. Und in so weit ist ihm die ganze jüdische Nation viele Verbindlichkeit schuldig, daß er sich Mühe giebt, die Welt von einer Wahrheit zu überzeugen, die für sie von großer Wichtigkeit sein muß. ״Sollte diese Recenston, diese grausame Srelenver. dammung nicht aus der Feder eines Theologen gefloffcn se!n? Diese Leute denken der christlichen Religion einen großen Vorschub zu thun, wenn sie alle Menschen, die keine Christen sind, für Meuchelmörder und Ctraßrnräu. der L! klären. Ich bin weit entfernt, von der christlichen Religion so schimpflich zu denken; das wäre unstreitig der stärkste Beweis wider ihre Wahrhaftigkeit, wenn man sie frstzustelltn alle Menschlichkeit aus den Augen setzen müßte. ״ Was können uns unsere strengen Deurtbeiler, die nicht selten ihre Urtheile mit Blute versiegeln, Erhebliches vvrrücken? Laufen nicht alle ihre Vorwürfe auf den um r. sätklichen Gei; hinaus, den sie vielleicht durch ihre eigene Schuld bei dem gemeinen jüdischen Haufen zu finden froh, locken? Man gebe ihnen diesen zu; wird es denn deswe. gen aufhören wahrscheinlich zu sein, daß ein Jude einem Christen, der in räuberische Hände gefallen ist, das Leben gerettet haben sollte? Oder wenn er es gethan, muß er sich nvthwendig das edle Vergnügen, seine Pflicht in einer so wichtigen Sache beobachtet zu haben, mit niederträch, tigen Belohnringen versalzen lassen? Gewiß nicht! Zumal wenn er in solchen Umständen ist, in welche der Jude im Schauspiele gesetzt worden. ״Wie aber, soll dieses unglaublich sein, daß unter