Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ein Brief des Weltweisen Moses Mendelssohn
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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>34 ״ Man fahrt fort uns zu untrrdrücktn, man lasse uns beständig mitten unter freien und glückseligen Bürgern eingeschränkt leben, ja man sehe uns ferner dem Spotte und der Verachtung aller Welt aus; nur die Tugend» den einzigen Trost bedrängter Seelen, die einzige Zuflucht der Verlassenen, suche man uns nicht gänzlich adzusprechen. ״ Jedoch man spreche sie uns ab; was gewinnen die Herren Recrnstnten dabei? Ihre Kritik bleibet dennoch unverantwortlich. Eigentlich soll der Charakter des re,, senden Juden (ich schäme mich, wenn ich ihn von dieser Seite betrachte) das Wunderbare, das Unerwartete in der Komödie sein. Soll nun der Charakter eines hochmükhi. gen Bürgers, der sich zum türkischen Fürsten machen läßt, so unwahrscheinlich nicht sein, als eines Juden, der groß, müthig ist? Laßt einen Menschen» dem von der Verach« tung der jüdischen Nation nichts bekannt ist, der Auffüh« rung dieses Stückes beiwohnen; er wird gewiß, während des ganzen Stückes vor Langerweile gähnen, ob es gleich für uns sehr viele Schönheiten hat. Der Anfang wird ihn aus die traurige Betrachtung leiten, wie weit der Na. tivnaihaß getrieben werden könne, und über das Ende wird er l.rchen müssen. Die guten Leute, wird er bei sich denken» haben doch endlich die große Entdeckung gemacht, daß Inden auch Menschen sind. So menschlich denkt ein Gtmüch, das von Vorurtheilcn gereinigt ist. ״ Nickt daß »ch durch diese Betrachtung dem Lefsingi. scheu Schauspiel« seinen Werth entziehen wollte; keines» weges: Man weiß, daß sich der Dichter überhaupt» und insbesondere wenn er für die Schaubühne arbeitet, nur nach der unter dem Volke herrschenden Meinung zu rich«