Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Bruchstück aus dem noch ungedruckten Werke " Selima's Stunden der Andacht und der Weihe für gebildete Israelitische Frauen und Mädchen"
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 9)
- Language
- German
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16 üben sehe, und bin betrübt und fühle tiefe Trauer, wenn ich in den Handlungen Anderer Unordnung, Unze« rechtigkeit, Lieblosigkeit und Härte erblicke. — Sagt mir dieß alles nicht zur Genüge: Du hast nur sehr wenig gethan, wenn du auf dich allein und für dich allein bedacht warst! Rust mir nicht aus dem innern Heiligthum meines Herzens ein« göttliche Offenbarung zu — die ich mcht unterdrücken kann, wenn ich auch wollte — ,.Deine Bestimmung ist noch nicht erreicht, wenn du bloß auf Deine eigen; Lust, auf Deine eigenen Vortheile stehest, ohne das Wohl, die Freude und den Nutzen Anderer zu berücksich» tigen?" Selbstsucht wäre demnach der häßlichste Schand» fleck in meinem Wesen, meine Glückseligkeit höchst Mangel» Haft und unvollkommen, ohne die Glückseligkeit Anderer. Menschenliebe im reinsten, edelsten Sinne; Aufrichtigkeit und Ungrschminktheit in Wort und That; Gerechtigkeit und Großmuth selbst gegen Feinde; Dankbarkeit gegen Wohlthatcr; ein inniges Vertrauen zu Eltern und Freunden, zu Geschwistern und Verwandten; Wohlwollen gegen alle Geschöpfe Gottes, das in jeder Miene, in jeder Bewegung sich ausspricht — Mit Einem Worte: Die׳ Ausübung der Tugend unter jedem Verhältnisse des Lebens macht den größten und wichtigsten Theil meiner Bestimmung aus. Und mag sich ereignen, was da wolle; mögen sich mir tausend